Ich würde vorschlagen, den klassischen christlichen Dreiklang aus Glauben, Hoffnung und Liebe um den Humor zu erweitern.

In dem Satireband „Die Krone der Schöpfung“ greift die Professorin für Allgemeine Pädagogik Margit Stein Szenen aus dem Leben und unserem Alltag auf, die sie pointiert und schwarzhumorig betrachtet. Im Interview erzählt sie uns über ihre Motivation und warum Humor so wichtig ist.

Liebe Margit, schön, dass du die Zeit gefunden hast, ein paar Fragen für uns zu beantworten. Magst du den Leser:innen kurz erzählen, wer du bist?

Ich bin 46 Jahre alt, sehr stark umweltbewegt und an vielfältigen gesellschaftlichen sowie psychologischen Zusammenhängen interessiert. Seit dreißig Jahren genau bin ich auch für die Menschenrechte in verschiedenen Vereinen und Initiativen engagiert.

Auch als Professorin für Erziehungswissenschaften bin ich mit vielfältigen sozialen Feldern beschäftigt, wie etwa der Erziehung und Sozialisation in der Familie, der Schule, der außerschulischen Jugendarbeit und auch der informellen Gruppe Gleichaltriger. Mich interessieren in meiner Forschung und Lehre insbesondere die Bereiche der sozialen Entwicklung und hier vor allem der Bereich der Entwicklung persönlicher Werte und Überzeugungen etwa im politischen oder religiösen Bereich.

Mit vielem, was mich im gesellschaftlichen Bereich interessiert, befasse ich mich nicht nur in meiner Forschung durch Umfragen oder Befragungen, sondern auch belletristisch oder grafisch. Ein paar der gesammelten Eindrücke habe ich nun in dem Satireband „Die Krone der Schöpfung“ zusammengestellt.

Daneben bin ich Partnerin und Mutter und aktuell sehr durch meine kleine Tochter gefordert.

Was hat dich bewogen, einen satirischen Rundgang durch unsere Welt zu machen?

Es gibt ja leider immer genug Situationen, die man nur noch mit Humor nehmen kann, so traurig sind sie. In den Satiren spreche ich ein paar dieser gesellschaftlichen Fehlentwicklungen an, durch die ich zum satirischen Rundgang bitte. Wir begeben uns etwa hinter die Fassaden von Beziehungen, wo sich Menschen oftmals nur mehr über Verordnungen und rechtliche Richtlinien etwa in Eheverträgen und Ehevereinbarungen begegnen. Weiter betreten wir auf unserem satirischen Rundgang die Berater- und Behandlungsräume jener Geschäftemacherinnen und Geschäftemacher, die gutgläubigen Zeitgenossen durch Rückführungen in frühere Leben oder Energiereinigungen das Geld abknöpfen, pure Lebensfreude verkaufen oder sich kreativ als Makeup-Artists ausleben und jeden neumodellierten fünffarbigen Fingernagel fast schon zum Preis eines Picassos verkaufen. Es gibt auch Einblicke in eine völlig entmenschlichte Arbeitswelt vor, in der man sich selbst nur noch als Humankapital optimiert, bis hin zum Einfrieren von Eizellen, um den Kinderwunsch auf die Zeit nach dem Renteneintritt zu verschieben.

Bei der Verhinderung sklavenähnlicher Arbeitsverhältnisse leisten die Leserinnen und Leser auch einen direkten Beitrag durch den Kauf des Satirebandes, da der Erlös aus dem Autorenhonorar komplett an den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ von Peter Kossen geht.

Wie wichtig ist für dich (bissiger) Humor, um durch Zeiten, die durch Pandemien, Umweltkatastrophen usw. geprägt sind, zu kommen?

Es gibt so viele Entwicklungen und Situationen auf dieser Welt, die ich in den Satiren anspreche, die man nur noch mit Humor ertragen kann. Die Umweltzerstörung und die Klimaerwärmung, die Pandemie und vor allem der Umgang damit, etwa die Ignoranz und der Verschwörungsglaube, sind nur ein paar Beispiele dafür.

Ich würde also vorschlagen, den klassischen christlichen Dreiklang aus Glauben, Hoffnung und Liebe, wie es im Korintherbrief heißt, um den Humor zu erweitern. Wir brauchen den Glauben an das Gute im Menschen, das man herauskitzeln und fördern kann, die Hoffnung, dass auch in der schlimmsten Situation ein Ausweg vorhanden ist, und die Freude am Leben und die Liebe zu allen Menschen trotz ihrer Schwächen. Aber wir brauchen auch den Humor, um an dieser Welt nicht zu zerbrechen und an den menschlichen Schwächen – natürlich auch insbesondere meiner eigenen Schwächen – nicht zu verzweifeln.

Woher nimmst du die Inspiration für die anekdotenhaften Szenarien in deinem Buch?

Ich werde meist durch bestimmte Begegnungen oder Vorkommnisse zu einer Satire angeregt, die mir zufällig „über den Weg laufen“. Diese kurzen Erlebnisse oder Begegnungen aus dem Alltag baue ich dann in der Phantasie erst gedanklich weiter aus und bringe sie schließlich zu Papier. Oft habe ich schon ein paar erste Ideen gleich unmittelbar in der Situation notiert oder mir selbst auf das Handy aufgesprochen. Und wenn ich mich dann zuhause an den PC setze und mich weiter in die Geschichte hineinvertiefe, kommen die Gedanken so schnell, dass ich oftmals kaum mit dem Schreiben hinterherkomme.

Die Idee für die erste Satire des Bandes „Die Krone der Schöpfung“ etwa über die monogamen Tauben kam mir in der Berliner U-Bahn, als zusammen mit einer Gruppe von drei Männern auch eine Taube einstieg, sich in aller Seelenruhe zwischen die Fahrgäste setzte, um fünf Stationen später von der U2 in die U7 zu wechseln. Als einer der Männer despektierlich „Flugratte“ zu ihr sagte, die Taube jedoch in stoischer Gelassenheit die Schmähung über sich ergehen ließ, erwiderte ich zu ihrer Ehrenrettung, wie man denn nur so über eine Brieftaube sprechen könne, die offenbar auch für uns Menschen richtungsweisend Kurzstreckenflüge meide und auf die Bahn umgestiegen sei. Die ersten Ideen für die Geschichte mit der Taube schrieb ich dann schon auf meinem Laptop auf der Zugfahrt zwischen Berlin und Hannover nieder.

Die Satire über den Mann, der seine Frau mit einem Fahrrad betrügt, kam mir, als ich immer wieder Abend für Abend im Haus gegenüber durch die hell erleuchteten Fenster dasselbe Schauspiel erlebten konnte: ein Mann trägt sein Fahrrad in das Wohnzimmer, setzt es vorsichtig neben dem Sofa ab, um dann ganz offensichtlich gemütlich mit seinem Fahrrad fernzusehen, wobei über die Sofalehne hinaus nur mehr der Kopf des Mannes und das Vorderrad des Drahtesels ragten. Eben der ganz normale Wahnsinn.

Und als ich mir die ein oder andere Wahlkampfrede zur Bundestagswahl anschaute, dann war der Weg zur Satire „Heimatliebe“ natürlich auch nicht mehr weit.

Margit Stein
Die Krone der Schöpfung

Erzählungen
264 Seiten
Hardcover mit Lesebändchen
ISBN 978-3-948675-43-1
Oktober 2021

Welches Szenario in „Die Krone der Schöpfung“ geht dir persönlich besonders nah?

Besonders ärgern mich etwa aktuell mit Sicherheit die in der eben erwähnten Satire „Heimatliebe geht durch den Magen“ dargestellten populistischen Tendenzen bei einigen Parteien, die ich hier bezogen auf ein Thema – nämlich das Essen – aufgreife und ins Absurde wende. Hier wird Wahlkampf auf dem Rücken bzw. im Verdauungstrakt der Bürgerinnen und Bürger ausgetragen. Mit dem Thema Populismus und Extremismus befasse ich mich auch in meiner Forschung. Die Satire ist ein gutes Beispiel dafür, dass ich meinen Ärger literarisch und illustrativ verarbeite.

Inwiefern beeinflusst dich dein beruflicher Hintergrund als Professorin für Pädagogik an der Universität Vechta? Sind pädagogische Themen solche, über die du besonders gern schreibst?

Mein beruflicher Hintergrund beeinflusst mich auf jeden Fall. Ich bin thematisch in meiner Arbeit mit der Herausbildung eines tragbaren Beziehungs- und Erziehungsmusters befasst und mit der Herausarbeitung von gesellschaftlichen Strukturen, die möglichst allen Menschen ein lebenswertes und erfülltes Leben ermöglichen.

Was dies bedeuten kann und vor allem, was uns daran hindert, so zu leben, versuche ich auch in den Satiren humoristisch darzustellen.

„Die Krone der Schöpfung“ ist wunderbar illustriert. Zu jeder Geschichte gibt es ein passendes Bild – was war zuerst da: Wort oder Bild?

Zunächst waren auf jeden Fall die Geschichten da. Aber da ich auch immer ganz klar vor meinem geistigen Auge die Protagonistinnen und Protagonisten oder die Kulisse hatte, drängte es mich dazu, diese auch grafisch festzuhalten. Ich arbeite gerne mit Kohle, mit der man in nur wenigen Strichen oftmals viel einfangen kann. Ich zeichnete unterwegs, zusammen mit Freunden und während meine kleine Tochter auf meinem Schoß schlief. Erst illustrierte ich nur die Tiersatiren – diese sind auch im Satireband jeweils mit vier Abbildungen versehen, dann auch jeweils mit einem Bild die anderen Geschichten.

Ich zeichne und male überhaupt sehr gerne und verschwand schon im Kindergarten oftmals gleich nach meiner Ankunft in der Mal- und Bastelecke.

Es wird ja noch einen zweiten satirischen Gang durch die Welt geben. Was erwartet uns darin?

Der zweite Band versammelt einige meiner Lieblingssatiren. So beginnt er etwa mit meiner ersten Satire, deren Anfänge schon im Jahr 2014 liegen. Damals versuchte ich über Wochen eine ungeliebte bei mir eingezogene Mitbewohnerin zu delongieren, die sich bei mir in der Wohnung ohne Mietvertrag ungebeten einquartiert hatte und sich mit mir ein Katz-und-Maus-Spiel lieferte. Wir arrangierten uns mühsam und ich hatte mich eigentlich schon daran gewöhnt, wenn andere über ihren neuen Partner oder Kinderzuwachs berichteten, anzugeben, dass ich gegenwärtig mit einer Maus zusammenlebe. Während ich die zwei Schlafzimmer belegt hatte, hatte sie sich in Küche und Esszimmer eingerichtet. Ich versuchte alles, um sie in ihrem Expansionsdrang zumindest auf diese beiden Zimmer einzugrenzen, aber Altbauwohnung und den schlecht schließenden Türen sei Dank zwängte sie sich unter jedem Türschlitz durch, begutachtete widerrechtlich auch meine Zimmer und morgens konnte ich nur anhand ihrer Fressspuren ihre nächtlichen Exkursionen nachvollziehen. Dem Einfallsreichtum und der Intelligenz der Maus bei diesem Spiel setzte ich damals ein literarisches Denkmal.

Eine meine Lieblingssatiren nimmt unsere vielfältigen Süchte jenseits der offiziell anerkannten wie etwa der Drogen-, Spiel- oder Kaufsucht aufs Korn,. Je nachdem, wem ich die Satire vorlas, setzte ich jeweils andere Süchte ein und schrieb immer wieder um. Die Leserinnen und Leser können sich also überraschen lassen, welche lebenseinschränkenden Angewohnheiten und Konsummuster nun tatsächlich porträtiert werden!

Margit Stein wurde 1975 in Niederbayern geboren. Nach dem Studium der Psychologie und Pädagogik war sie unter anderem in einem Kinderdorf, einer neurologischen Fachklinik und einer psychosozialen Beratungsstelle tätig. Seit 2009 ist sie Professorin, zunächst für Soziale Arbeit, dann für Erziehungswissenschaften an einer niedersächsischen Universität.
(Foto © privat)

Schwärmereien sind keine reine Mädchen-Sache

Neulich berichtete Georg Howahl in der WAZ über das Phänomen kreischender junger Menschen vor den Bühnen der Popstars, von Posterwahnsinn an Jugendzimmerwänden und wie sich diese Schwärmerei im Laufe der Zeit verändert. In diesem Zuge hat er auch mit Klaus Farin gesprochen, der sich u. a. in Über die Jugend und andere Krankheiten mit diesem Thema auseinander gesetzt hat.

„Wir haben als Gesellschaft noch immer ein wirres Verständnis von ‚Stärke’ und ‚Schwäche’.“

Noch immer sind Ängste, Depressionen und Mobbing Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Autor Dennis Diel („Gonzo“) will das mit seinem autobiographischen Roman „Schlage bitte weiter, Kämpferherz“ ändern und spricht offen und ehrlich über seine eigenen Erfahrungen. Im Interview verrät er uns mehr.

Hallo Dennis, danke, dass du dir Zeit genommen hast, mit uns über dein neues Buch „Schlage bitte weiter, Kämpferherz“ zu sprechen. Für diejenigen unter den Leser:innen, die dich noch nicht kennen: Wer ist Dennis Diel in drei Sätzen?

Dennis: Ich bin ein Mensch, der auf der ständigen Suche nach sich selbst ist, sich niemals mit vorschnellen Meinungen zufrieden gibt und sich nicht mit Vorurteilen länger als einen Augenblick lang beschäftigen will. Ich bin ein Mensch, der es liebt, anderen Menschen Vertrauen zu schenken, Vertrauen zu erhalten und zu bewahren. Und ich bin, so glaube und hoffe ich, ein sehr guter Freund und Ehemann, der jederzeit ein offenes Ohr für die Menschen hat, die er liebt.

Was gab dir den Impuls, ein autobiographisches Buch zu schreiben?

Dennis: Die lose Idee, meine Erlebnisse, Erinnerungen und Erfahrungen niederzuschreiben, geht bis ins Jahr 2015 zurück. Damals hatte ich meine Therapie begonnen, und im Rahmen der vielen Gesprächsstunden ist in mir der Wunsch gereift, alles, was mich belastete, aufzuschreiben. Begünstigt auch gerade durch die Empathie und Begeisterungsfähigkeit meiner damaligen Therapeutin. Da ich mich zu jener Zeit aber noch in einem akuten Loch befand, alles auf der Kippe stand und ich vor lauter Angst und Zukunftssorgen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen konnte, wanderte das Vorhaben vorerst wieder in die Untiefen meines Unterbewusstseins. Ich musste mich erst mal um mich und meine Beziehung kümmern (zu meiner Freundin, aber auch zu mir selbst), bevor ich mich dazu in der Lage sah, mein bisheriges Leben so zu reflektieren, dass mehr als  betroffenes Selbstmitleid dabei herauskommen konnte. Das dauerte ein paar Jahre – genauer gesagt bis in das Frühjahr 2020. Die Coronapandemie verschaffte mir die nötige Zeit, den Ansporn und, so paradox es klingt, das richtige Maß an neuer Angst, um das Vorhaben endlich in die Tat umsetzen zu können und ein Buch zu schreiben, das auch MEIN Buch werden würde. Außerdem hatte ich damals gerade erfolgreich mein erstes Buch („Gonzo“) veröffentlicht und war bis an den Rand mit kreativem Tatendrang und schriftstellerischer Energie gefüllt.

Du sprichst einige Tabuthemen unserer Gesellschaft haben. Was glaubst du, warum sprechen wir immer noch nicht offen über psychische Erkrankungen? Warum schämen wir uns, zu unseren Problemen zu stehen?

Dennis: Zunächst einmal denke ich, dass der Umgang mit psychischen Erkrankungen besser geworden ist, als er es noch vor ein paar Jahren oder Jahrzehnten war. Es „outen“ sich immer mehr Frauen und Männer, auch Prominente, und das nimmt sicher einigen Betroffenen ein Stück weit die Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung. Wenngleich auch leider längst nicht allen.

In meiner persönlichen Wahrnehmung hatte sich vieles, über das heute recht offen gesprochen wird, nach dem tragischen Suizid von Robert Enke eingestellt. Seine Depressionen, die ihn zu dieser verzweifelten Tat geführt haben, waren es, die dann anschließend offen diskutiert wurden. Plötzlich starb jemand, den die Öffentlichkeit als gegebenen Teil der Leistungsgesellschaft wahrgenommen hat, und das lenkte natürlich den Fokus hin zu Themen, um die – speziell im Profisport – seinerzeit noch große Bögen gefahren wurden. Depressionen, von denen auch Sebastian Deisler ein Lied singen konnte, waren urplötzlich kein Tabuthema mehr, sondern etwas, worüber die Menschen nun sprachen; auch, wenn sie selbst zu den Betroffenen zählten. Wenn also der Tod von Robert Enke etwas sehr Positives bewirken konnte, dann das. Dennoch ist es noch immer so, dass die mentale Gesundheit bei vielen Menschen nicht den gleichen Stellenwert wie die körperliche hat. Sich einen Therapeuten zu suchen, setzt ja voraus, dass man ein Problem erkannt hat und Bereitschaft signalisiert, es zu bekämpfen. Bei heimtückischen, sich anbahnenden Depressionen oder Angststörungen ist das aber oft gar nicht so einfach. Ich bin dennoch guter Dinge, dass sich unsere Gesellschaft – in dieser Hinsicht zumindest – zu einer empathischeren, besseren hin entwickelt. Aber das sind Prozesse, gerade eben gesellschaftliche, die Zeit benötigen, um wirklich ins kollektive Bewusstsein durchzusickern. Wir haben als Gesellschaft noch immer ein wirres Verständnis von „Stärke“ und „Schwäche“. Wer vor sich und anderen zugibt, dass er mental nicht gesund ist, ist nicht schwach – er ist stark. Und wer sich über eine viel zu lange Zeit einredet, dass mit ihm alles in bester Ordnung sei, obwohl die Dämonen im Inneren schon seit Jahren mit spitzen Nägeln an der Seelenwand kratzen, ist eben nicht stark oder besonders widerstandsfähig. Diese grundlegend falsche Kategorisierung muss aufhören. Die Menschen, die sich psychisch krank fühlen, müssten gesellschaftlich empowered werden, um nicht diese hässlichen Versagensängste zu bekommen. Aber bei all den Dingen, die wir gemeinsam im Umgang untereinander noch zu lernen haben: Ich möchte mich als Mensch mit Angststörungen oder Depressionen nicht mehr in „die gute alte Zeit“ der Sechziger bis Neunziger zurückversetzt fühlen müssen.

Schlage bitte weiter, Kämpferherz! von Dennis Diel

Dennis Diel

Schlage bitte weiter, Kämpferherz!

Autobiographie

256 Seiten
Hardcover mit Lesebändchen

ISBN 978-3-949452-23-9

Weitere Informationen >>

In „Schlage bitte weiter, Kämpferherz!“ schreibst du ja auch viel über deine Familie und ihre „Eigenheiten“. Wie sehr haben dich die Erfahrungen deiner Kindheit geprägt – der Hitler-sympathisierende Opa, die Mutter, die an Angststörungen leidet usw.?

Dennis: Ganz extrem, natürlich. Meine Sozialisation wurde von drei großen Säulen gestützt: Antifaschismus, den ich verinnerlichte, weil mich der Hitler-Kult meines Großvaters so sehr anekelte, Freundschaft, die mir immer wichtiger war als alles andere, weil sie mir Halt gab und mich vor der Wirklichkeit daheim entfliehen ließ, und Musik, speziell die, der Böhsen Onkelz. Ganz konkret hat mich sicher mein Außenseiterdasein mehr geprägt als mir bewusst war. Ich gehörte nie dazu, aber Nichtdazugehören wollte ich nicht. Ich wurde aufgrund meines Übergewichts ab Klasse vier ausgegrenzt, zur Schau gestellt und gedemütigt, und ich könnte natürlich behaupten, dass mir das alles nichts ausgemacht hat, dass ich auch nie dazugehören wollte, aber das wäre gelogen. Als Kind wünscht man sich nichts sehnlicher, als dazuzugehören. Diese Abweisungserlebnisse waren es, die mich in späteren Jahren zu einem empathischen Menschen gemacht haben, der auf diese grotesken Mobbingerfahrungen recht entspannt zurückblicken kann. Damals waren sie die Hölle.

Mobbing ist ein zentrales Thema in deiner Geschichte. Welche Tipps hast du für Menschen, die Opfer von Mobbing werden, um damit umzugehen – sei es in der Schule, am Arbeitsplatz oder auch im privaten Bereich?

Dennis: Ich glaube, man muss sehr genau unterscheiden, wann das Mobbing stattfindet – daran bemessen sich auch die „Tipps“, die man dagegen geben kann. Findet es in der Schule statt, ist es ganz wichtig, dass man als Eltern hinter seinem Kind steht. Ihm mitteilt, dass es sich wehren und verteidigen muss; notfalls auch, indem es zurückschlägt. Selbstverteidigungskurse, Kampfsport, das Vermitteln von Werten. „Wenn du auf die rechte Backe bekommst, halte einfach die linke hin“ hat in meinen Augen als moralischer Kompass ausgedient. Bullys verstehen, speziell im schwierigen Alter zwischen 14 und 19, oft keine andere Sprache als jene, deren Vokabular sie selbst bestens beherrschen. Selbstvertrauen ist das Stichwort. Grenzen aufzeigen, zu lernen, Ansagen zu machen. Das gilt dann eben auch, in abgewandelter Form, für spätere Lebensjahre. Grundsätzlich entsteht Mobbing immer durch einen Mangel an Selbstvertrauen auf beiden Seiten. Wichtig ist, sich anderen Kollegen anzuvertrauen. Niemals zu denken, dass man selbst schuld daran ist, dass man gedemütigt wird. Gaslighting immer und sofort beenden und mit dem Finger vor allen anderen auf jene zeigen, deren eigenes Selbstwertgefühl so verkümmert ist, dass sie sich über andere hinwegheben und nach vermeintlich „Schwächeren“ treten müssen, um sich bestätigt zu fühlen.

Die Musik spielt eine wichtige Rolle in deinem Leben. Was bedeutet sie dir?

Dennis: Damals bedeutete mir die Musik der Onkelz alles. Wo ich her kam, wurde man zu dieser Zeit durch eine von vier großen deutschen Bands sozialisiert: Die Toten Hosen, Die Ärzte, Die Fantastischen Vier oder eben die Böhsen Onkelz. Bei mir war es auch in dieser Hinsicht ein wenig anders, denn vor meinem musikalischen Erweckungserlebnis mit den Onkelz stand eine etwa vierjährige Liebe zu Pur, die schon damals unter Jungs schrecklich uncool waren. Danach ging es dann auch bei mir geschmacklich bergauf (lacht). Die Frankfurter waren ab meinem fünfzehnten Lebensjahr mein Halt, Anker und meine spirituellen Wegbegleiter, Schutzpatrone und der Quell meines Selbstwertgefühls. Ohne diese Band wäre meine komplette Jugend schlechter verlaufen und ich hätte mich vermutlich noch ewig herumschubsen lassen.

Dir ist es trotz der Ernsthaftigkeit der Themen und den durchaus harten Realitäten, die du beschreibst, wichtig, immer wieder das Licht am Ende des Tunnels aufzuzeigen. Was hat dir in deinen dunklen Phasen Hoffnung gegeben?

Dennis: Ganz klar die Freundschaft zu Matthias, Daniel, Martin und Darius. Wir waren unser eigener „Außenseiter-Verein“ oder der Kamp-Lintforter „Losers Club“, in Anlehnung an Stephen Kings Meisterwerk ES. Wir haben uns in der ersten Klasse kennengelernt und sind seitdem Seite an Seite gemeinsam durchs Leben geschritten. Jeder von uns war anders als der Rest. Zu dick, zu groß, zu polnisch, ostdeutsch, zu irgendwas. Und dann noch, ganz wichtig, die Liebe zu meiner Ehefrau Manuela. 1999, mit gerade einmal 17 Jahren, habe ich sie lieben gelernt. Was für ein Glück, was mir da widerfahren ist, und eines, das ich heute mehr denn je zu schätzen weiß. Freundschaft und Liebe haben mir Kraft gegeben. Aber, und das gehört eben auch zu meiner Geschichte: Beide konnten nicht immer die tiefdunklen Wolken verdrängen, die über meinem Kopf hingen. Ich musste schon erst lernen, selbst zu kämpfen.

Was würdest du deinen Leser:innen mit auf den Weg geben wollen?

Dennis: Hört niemals auf zu kämpfen. Es gibt immer Menschen, für die es sich lohnt, weiterzumachen und den eigenen Lebenscoach nicht das Handtuch werfen zu lassen. Ich weiß, dass jeder Kampf einen gern zermürben würde, den man gegen die eigenen Dämonen führt. Und man muss auch nicht jede Runde gewinnen. Das Hinfallen gehört, ausdrücklich gewünscht, zur Kampfstrategie dazu. Aber eben auch das Wiederaufstehen. Wichtiger ist nichts im Leben, als nach einem harten Treffer nicht liegenzubleiben.

Vielen Dank, Dennis!

Dennis Diel (*1982) ist Social Media Manager und arbeitet in der Musikbranche. Sein erstes Buch, die Biografie „Gonzo“ (Hannibal) schaffte auf Anhieb den Sprung auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. In „Schlage bitte weiter, Kämpferherz“ schreibt er seine eigene bewegende Lebensgeschichte und spricht offen über seine psychischen Probleme.

Mehr über Dennis Diel:
https://www.dennisdiel.de/
https://www.facebook.com/dennisdielautor
https://www.instagram.com/dennisdiel1982

Geralf Pochop | Multimediale Lesung mit Konzert im Muggefug, Cottbus

4. Dezember | 5:30 pm 10:00 pm

Am Sonntag, den 4. Dezember, stellt Geralf Pochop im Muggefug in Cottbus sein neues Buch „Zwischen Aufbruch und Randale. Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit“ vor. Im Anschluss gibt’s Live-Musik von Brechreiz 08/15.

Los geht’s pünktlich um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Der gesamte Abend ist Dank Förderung von Demokratie leben, dem koordinieren Zeitzeugen Büro und der Partnerschaft für Demokratie für Alle.

Muggefug e. V.

Muggefug e. V.

Papitzer Straße 4
Cottbus, 03046 Deutschland
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Geralf Pochop | Multimediale Lesung im Horte, Strausberg

3. Dezember | 6:00 pm 9:00 pm

Am 3. Dezember ist Zeitzeuge, Autor, Künstler, Fotograf und Punk Geralf Pochop zu Gast im Horte in Strausberg, um sein neues Buch „Zwischen Aufbruch und Randale“ vorzustellen. In einer multimedialen Lesung erzählt er mit Bildern, Musik und Leidenschaft, wie es ist, Punk in der DDR gewesen zu sein.

Horte – AJP 1260 e. V.

Peter-Göring-Str. 26
Strausberg, 15344 Deutschland
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Geralf Pochop | Multimediale Lesung und Zeitzeugengespräch im JWP „MittenDrin“

Im MittenDrin stellt Geralf Pochop am 2.12. seine beiden Bücher „Untergrund war Strategie“ und „Zwischen Aufbruch und Randale“ vor. Mit musikalischer Begleitung, Bildern, Filmausschnitten und viel Leidenschaft erzählt der Autor, Zeitzeuge, Künstler und Fotograf, wie es war, Punk in der DDR zu sein.

JugendWohnProjekt MittenDrin e. V.

Bahnhofstraße 10A
Neuruppin, 16816 Deutschland
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Geralf Pochop | Multimediale Lesung im JAZ, Rostock

29. November | 8:00 pm 10:30 pm

Am 29.11. ist Geralf Pochop im JAZ e. V. in Rostock. Mit einer Performance aus Erzählung, Lesung, Bildspots, Leidenschaft, Ton-Dokumenten, Präsentation von Original-Utensilien und Stasiakten sowie einem live Musiker präsentiert Geralf Pochop in einem Kulturprogramm die „intensivste Zeit“ seines Lebens als Punk in der DDR.

Einlass ist ab 18 Uhr.

Mehr Infos unter Facebook.

JAZ e. V.

Lindenstraße 3b
Rostock, 18055 Deutschland
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0381 44436575
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„Zwischen Aufbruch und Randale.Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit“ Geralf Pochop Lesung

28. November | 8:00 pm 11:00 pm

Die zweite Lesung von Geralf Pochop im Hamburger Hafenklang. Mit Performance, Bildern und Lesung stellt der Zeitzeuge und Autor sein neues Buch „Zwischen Aufbruch und Randale“ vor.

Wichtig: 2G Event – Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene!
Eintritt: VVK: 7.00 € AK: 10.00 € | Open: 19:00 | Start: 20:00

Hafenklang

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Hafenklang

Große Elbstraße 84
Hamburg, 22767 Deutschland
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Geralf Pochop | Multimediale Lesung in OASE, Rathenow

26. November | 7:00 pm 10:00 pm

Am 26.11. ist Geralf Pochop im Jugendhaus OASE in Rathenow um vom Punk-Sein in der DDR zu berichten: Euch erwartet eine bunte Mischung: Filmschnipsel, Musik, Lesung, Zeitzeugenberichte – so stellt Punk, Fotograf und Autor Geralf Pochop vor, was er in seinen beiden Büchern „Untergrund war Strategie“ und „Zwischen Aufbruch und Randale“ zusammengefasst hat.

Der Eintritt ist frei. Bitte informiert euch über die aktuellen Coronaregeln.

Jugendhaus Oase

Bergstraße 6
Ranthenow, 14712 Deutschland
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Geralf Pochop | Multimediale Lesung und Zeitzeugengespräch

25. November | 6:00 pm 9:00 pm

Am Donnerstag, den 25.11., ist Zeitzeuge, Autor, Fotograf und Künstler Geralf Pochop zu Gast am Leonardo Da Vinci Campus, wo er über das Punk-Sein in der DDR spricht. Als Grundlage für seinen Vortrag dienen seine Bücher „Untergrund war Strategie“ (2018) und „Zwischen Aufbruch und Randale“ (2021).

Zudem ist vom 9. bis 25. November 2021 die Wanderausstellung „AUS GRAU WIRD BUNT“ auf unserem Campus zu sehen.

Die Lesung findet im Theatersaal (Haus 13) statt. Der Eintritt ist frei.

Leonardo da Vinci Campus

Alfred-Nobel-Straße 10
Nauen, 14641
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